Behörden sollten bei Hochwasser-Katastrophen Social Media nutzen!

5. Juni 2013 | Von | Kategorie: Blog, Kommunikation, Organisation

Mein heutiger Blogbeitrag dreht sich nicht um die Büroarbeit sondern um allgemeine Organisation in Katastrophen-Situationen. Die letzten Tage hält die Hochwasser-Katastrophe Deutschland in Atem. Viele Teile Deutschlands sind betroffen und die Anteilnahme in den Sozialen Netzwerken ist überwältigend.

Da ich aus Gera bin, das ebenfalls betroffen ist, habe ich die Dynamik, die sich auf Facebook und Twitter in den letzten Tagen entwickelt hat, natürlich selbst mitverfolgt. In diesem Blogbeitrag gebe ich im ersten Teil einen kleinen Einblick, was sich innerhalb der Socialen Netzwerke, allem voran Facebook, in und um Gera abgespielt hat. Der zweite Teil dreht sich darum, wie die öffentliche Hand Sociale Netzwerke wie Facebook für Informationszwecke in solchen Ausnahmesituationen nutzen kann.

Hochwasser im Raum Gera und die Sozialen Netzwerke

Schon bevor Sonntagabend der Katastrophenalarm in Gera ausgerufen wurde, gab es eine Vielzahl von Meldungen in den Sozialen Netzwerken, die es ermöglichten auf dem Laufenden zu bleiben und allmählich ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich die Lage zuspitzt.

Es wurden Gruppen und Seiten gegründet, die innerhalb kürzester Zeit vierstellige Mitglieder oder Facebook-Likes erhielten. Meldungen verbreiteten sich rasend schnell. Beispielsweise gewann die Tageszeitung „OTZ Gera“ innerhalb von eineinhalb Tagen rund 5 000 neue Fans. Auch die Medien griffen teilweise auf Informationen aus den sozialen Netzwerken zurück.

Während beispielsweise Info-Hotlines und die Internetseiten der Stadt Gera oder des MDR wegen der hohen Zugriffszahlen zeitweise ab Sonntag an nicht mehr erreichbar waren, traten Facebook und Twitter an deren Stelle. So berichtete der MDR oder auch das Geraer Informationsportal www.fettgusche.net auf Twitter über aktuelle Entwicklungen.

Montag, als in Gera Evakuierungen anstanden, Strom und Wasser ausfielen, zeigte sich eine Welle der Solidarität auf Facebook. Es entwickelte sich eine Kultur der gegenseitigen Hilfe und es wurden rege Informationen ausgetauscht.

Es wurden Aufrufe gestartet und mitgeteilt, wo freiwillige Helfer benötigt werden. Mancherorts gab es so viele freiwillige Helfer, dass diese wieder weggeschickt wurden. Es wurde über die Verkehrssituation berichtet, so dass die Umleitungen vielleicht sogar noch überlasteter gewesen wären, wenn andere Geraer nicht auf diese Informationen hätten zurückgreifen können. Weiterhin gab es das Angebot vieler Geraer, Fremde, die sich sicherheitshalber evakuieren ließen, bei sich aufzunehmen.

Bezeichnend war für mich persönlich der Hilferuf einer Mutter, die vom Wasser umgeben war und mangels Strom und Wasser keine Milch für ihr Baby zubereiten konnte. Prompt erklärte sich jemand aus einer naheliegenden Straße bereit, Wasser abzukochen und zu bringen.

Auch heute.de berichtet in einem Video-Beitrag darüber wie sich Fluthelfer im Web organisieren.

Allerdings muss man auch sagen, dass die Dynamik auf Facebook auch negative Seiten hatte, da sich einige User – nett ausgedrückt – nicht des vollen Potential ihres Verstandes bedienen wollten. So gab es sinnfreie Fragen, abfällige Bemerkungen Beleidigungen und unnütze Diskussionen.

Leider verbreiteten sich auch Falschmeldungen. Als ich beispielsweise Sonntagabend unterwegs war um zu helfen und mittels Smartphone die Tweets und Posts verfolgte, bin ich auch der einen oder anderen Falschmeldung auferlegen. So liefen angeblich noch trockene Gebiete voll und vermeintliche Dammbrüche entpuppten sich als Grundwasser, was hinter Dämmen hervorgetreten ist. So waren an besagten Orten freiwillige Helfer zu sehen, die dort jedoch nicht benötigt wurden.

Sollten Behörden bei Hochwasser und anderen Katastrophen Social Media nutzen?

Gern würde ich meine Überlegungen und meine gezogenen Schlüsse der letzten Tage hier zur Diskussion stellen, da es aus meiner Sicht durchaus sinnvoll sein kann, wenn Behörden Social Media für die Krisenkommunikation an die Bevölkerung nutzen. Auch wenn häufig und auch zurecht negativ über die verschiedensten Sozialen Netzwerke berichtet wird, könnte man diese im Krisenfall in einem positiven Sinne einsetzen.

Gerade nach Krisen wird regelmäßig über die mangelnde Informationslage und Kommunikation diskutiert, da sehe ich in den Sozialen Netzwerken enormes Potential.

Wie die letzten Tage gezeigt haben, verbreiten sich Informationen im Social Web schneller als über traditionelle Medien. Informationen sind im Zeitalter von Smartphones innerhalb kürzester Zeit überall verfügbar. Zusätzlich verbreiten sich diese viral durch das teilen, liken und retweeten weiter, so dass sich deren Nutzen innerhalb kürzester Zeit multipliziert und unter Umständen vielleicht sogar mehr Menschen erreicht werden als auf herkömmlichen Wegen.

Was könnten Behörden z. B. über offizielle Profile kommunizieren?

  • Warnungen zur Gefahrenlage und aktuelle Entwicklungen
  • Aufruf an freiwillige Helfer an bestimmte Orte zu kommen
  • Anordnungen bezüglich der öffentlichen Sicherheit
  • Hilfsaufrufe und Spendenaufforderungen
  • Empfehlungen
  • Einschränkungen durch Hochwasserschäden
  • Entwarnungen

Gerade da Notrufnummern, Informationshotlines und Internetseiten aufgrund der Vielzahl der Anrufer und Zugriffe überlastet sind oder ausfallen, könnte es sinnvoll sein, auf Soziale Plattformen zurückzugreifen, da diese doch sehr stabil laufen. Gleichzeitig könnte dieser Informationskanal die Info-Hotlines entlasten, so dass diese für die wirklich wichtigen und dringenden Anrufe erreichbar bleiben.

Auch die Interaktion der Krisenzentren mit den Betroffenen ist möglich. So könnten über Nachrichten im Netzwerk Informationen empfangen werden oder es könnte um aktuelle Bilder oder Videos aus gefährdeten Gebieten gefragt werden, um evtl. Falschmeldungen und Übertreibungen vorzubeugen. Bilder und Videos könnten eine Lagebeurteilung aus der Ferne ermöglichen und somit Reaktionszeiten vekürzen. Im Zeitalter von Smartphones und Tablets ist dies keine technische Herausforderung mehr.

Schriftliche Mitteilungen können ebenfalls besser nach Prioritäten sortiert und gefiltert werden, was bei einer Vielzahl von Anrufern auf Hotlines problematisch ist. Dies ist auch zwingend nötig, da wie im ersten Teils des Artikels beschrieben ist, sicher auch eine Vielzahl von fragwürdigen Nachrichten gesendet wird. Über Facebook könnten aber z. B. über die Privatsphäre-Einstellungen Posts und Kommentare eingeschränkt werden, damit die wichtigen Informationen von offizieller Seite nicht ins Hintertreffen geraten.

Gesicherte Informationen aus einer dem Krisenstab nahen Stelle, die auf diesem Weg veröffentlicht werden, könnten Gerüchten vorbeugen und Falschmeldungen richtigstellen, sodass diese sich nicht weiterverbreiten, da sofort nach der Veröffentlichung eine große Zahl der betroffenen Bevölkerung erreicht wird. Auch die althergebrachten Medien könnten natürlich auf diese Informationen zurückgreifen und somit als Multiplikatoren dienen.

FAZIT

Trotz der regelmäßigen Kritik an den Sozialen Netzwerken haben diese auch Ihre guten Seiten. Es hätte einige Vorteile, wenn Behörden sich im Krisenfall zusätzlich auf die neuen Medien einließen.

Soziale Medien sollten und können keinesfalls die bisher üblichen Informationskanäle ersetzen, jedoch können diese durch Facebook, Twitter & Co. ergänzt werden – Gerade weil diese keine großen Kosten verursachen und nahezu jeder Angestellte des öffentlichen Dienst nach kurzer Einweisung Profile in sozialen Netzwerken mit Leichtigkeit bedienen kann.

Wie oben geschrieben würde ich dieses Thema gern zur Diskussion stellen. Wer also Fragen, Ideen oder Kritik hat, darf diese gern in den Kommentaren äußern.

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