Kann man das häusliche Arbeitszimmer noch immer von der Steuer absetzen?

11. August 2015 | Von | Kategorie: Blog, Recht

Die zentrale Frage, ob man ein häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen kann, ist letztendlich – ganz praktisch gesehen – davon abhängig, ob man das private Arbeitszimmer tatsächlich für seine Tätigkeit benötigt.

Als Arbeitszimmer würde ein separater Raum gelten, in dem tatsächliche Arbeiten zu einem Erwerbszweck erledigt werden. Dies ist weniger von einem darinstehenden Schreibtisch abhängig sondern viel mehr vom Zweck der Tätigkeit und der dazu passenden angemessenen Einrichtung (z. B. Atelier, Tonstudio usw.).

Fraglich ist neben der praktischen Nutzbarkeit vor allem der entsprechende faktische Bedarf für ein häusliches Arbeitszimmer.

Wer kann ein Arbeitszimmer bei der Steuer geltend machen?

Seit 2010 ist ein Arbeitszimmer wieder in der Steuererklärung ansetzbar. Die Höhe der Ansetzbarkeit wird jedoch maßgeblich durch die Tätigkeit und den entsprechenden Bedarf bestimmt. So kann beispielsweise der klassische Freiberufler, dessen privates häusliches Arbeitszimmer der Arbeitsmittelpunkt ist, das Arbeitszimmer in unbegrenzter Höhe ansetzen. Häufig ist von unbegrenzter Abzugsfähigkeit die Rede, jedoch dient diese Formulierung eher der Veranschaulichung des Unterschiedes zur begrenzten Abzugsfähigkeit, denn jedem sollte klar sein, dass das Finanzamt genau prüfen wird, wenn die Ausgaben für ein häusliches Arbeitszimmer ausufern. Es gilt nicht zuletzt der Grundsatz der Angemessenheit in Bezug auf die berufliche Tätigkeit.

Begrenzt Abzugsfähig ist ein Arbeitszimmer für Steuerzahler, die Ihr Arbeitszimmer zu Hause nur zeitweise ergänzend zur beruflichen Tätigkeit nutzen. Im Zweifelsfall bedarf es einer Bestätigung des Arbeitnehmers, dass dem Arbeitnehmer kein ständig nutzbarer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Das klassische Beispiel, dass in diesen Fällen herangezogen wird, ist der Lehrer, der abends nach Dienstschluss noch vor- und nachbereitend tätig wird. Für genauerer Informationen und eine konkrete Einschätzung jedes Einzelfalls sollte man jedoch die Chance nutzen seinen Steuerberater zu befragen oder sich bspw. an einen Lohnsteuerhilfeverein zu wenden.

Im Falle der begrenzten Abzugsfähigkeit kann man das Arbeitszimmer als Werbungskosten bis zu einer Höhe von 1250 € jährlich geltend machen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um einen Pauschalbetrag sondern nur um eine Grenze innerhalb der die tatsächlichen Ausgaben geltend gemacht und nachgewiesen werden müssen.

Fazit

De facto besteht die Möglichkeit das Arbeitszimmer abzusetzen. Neben dem Grundsätzlichen gibt es regelmäßig Streit- und Ermessensfragen. Sollte bspw. der Arbeitgeber nicht seinen Pflichten nachkommen und das eigentliche Büro baufällig sein, da darf man laut BFH sein häusliches Arbeitszimmer begrenzt absetzen. (Quelle: http://www.steuertipps.de/beruf-job/werbungskosten-arbeitszimmer/buero-baufaellig-arbeitszimmer-absetzbar ).

Da die Lage teils unklar ist und um Fehlern bzw. ungenutzten steuerlichen Vorteilen vorzubeugen ist es nach wie vor empfehlenswert Fachleute wie z. B. den eigenen Steuerberater dazu zu befragen. Für den Laien ist es nämlich leider nur schwierig einen Überblick bei den vielen Einzelfallentscheidungen zu behalten. Dies hängt nicht zuletzt an der Vielzahl der Streitigkeiten mit Finanzämtern, die letztendlich erst gerichtlich entschieden werden.

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