Achtsamkeit: neuronale Fitness gegen Berufsstress

5. April 2016 | Von | Kategorie: Blog

In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Ausfalltage durch Burn-Out bei Arbeitnehmern von 4,6 auf 74,1 pro Jahr gesteigert (je 1.000 Versicherte, BKK Gesundheitsreport 2015). Dabei ist das nur die Spitze des Eisbergs: 70% der deutschen Arbeitnehmer finden laut einer Ver.di-Befragung aus dem Jahr 2015, dass ihre Arbeitsbelastung in den letzten Jahren zugenommen hat. 73% spüren eine „häufig hohe Arbeitsbelastung“ und über 20% fühlen sich häufig überfordert. Erschreckende Zahlen. Es ist an den Führungskräften, diesen entgegen zu wirken.

Das Mögliche tun, statt vor dem Unmöglichen kapitulieren

Viele Ursachen dieser Belastungen lassen sich leider nicht ohne weiteres abstellen. Ein globaler Wettbewerb, wachsende Anforderungen von Kunden, Shareholdern und Gesellschaft, komplexe Rahmenbedingungen sowie knapper werdende Ressourcen (wozu auch qualifizierte Mitarbeiter zählen) sind Faktoren, die der einzelne Vorgesetzte kaum beeinflussen kann. Selbst Inhaber oder Vorstände sind in diese Marktbedingungen eingebunden und können äußere Stressfaktoren allenfalls punktuell abmildern.

Umso wichtiger ist es, unnötige interne Belastungen so weit wie möglich zu reduzieren. Als wirksames Instrument hat sich dabei in den letzten Jahren „Achtsamkeit“ als innere Stressbremse entwickelt. Achtsamkeit hat vor allem das Ziel, mehr Bewusstsein für Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen zu entwickeln. Damit einher geht eine bewusstere Wahrnehmung der Bedürfnisse der anderen Menschen im Umfeld, also von Kollegen, Mitarbeitern und auch externen Kontakten. Training und Anwendung von Achtsamkeit bringen die tägliche Arbeit voran, vermindern das Erschöpfungsrisiko, verbessern die Zufriedenheit und das soziale Miteinander.

Achtsamkeit ist angewandte Wissenschaft

Zuerst sollte man akzeptieren, dass Achtsamkeit kein esoterischer Zeitvertreib oder gar eine Art Religion ist. Achtsamkeit baut auf aktuelle Erkenntnisse von Hirnforschung und Neuropsychologie. Von ihren Anwendern wird sie gern mit einem Fitnesstraining für Gehirnzellen verglichen. Im Kern geht es um eine Form gesteigerter bewusster Wahrnehmung: Man lernt, sich auf Dinge zu konzentrieren, die jetzt gerade geschehen, ohne sie sofort einzuordnen und zu bewerten.

Schulungen und Trainings zur Achtsamkeit leisten im Unternehmen einen doppelten Nutzen: Achtsamkeit wirkt sich nicht nur direkt auf Stressverminderung und Leistungsfreude aus. Als konkrete betriebliche Gesundheitsförderung ist sie außerdem eine greifbare Motivationsmaßnahme. Sie lässt die Arbeitnehmer spüren, dass die Geschäftsleitung es ernst meint mit der Unterstützung ihrer Arbeitsfähigkeit. Nebenbei kann ein solches Angebot – wie verschiedene andere Motivationstreiber – als steuer- und nebenkostenfreie Zusatzleistung verbucht werden und schließlich auch nach außen für potenzielle Bewerber das Image des Unternehmens als moderner, attraktiver Arbeitgeber stärken.

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